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Stand der Kölner NaturFreunde am 1. Mai 2011                 94 Jahre NaturFreunde in Köln

  2011 wurde die OG-Köln
 100 Jahre alt!
 


Die NaturFreunde - Wer sind wir?

* 1895 in Wien von österreichischen Sozialisten gegründet

* sind eine internationale Umwelt-, Kultur-, Freizeit- und Touristikorganisation mit über 650.000 Mitgliedern in 17 Ländern, davon rund 120.000 in Deutschland

* treten für eine demokratische und sozialistische Gesellschaftsordnung ein

* sind parteipolitisch und religiös unabhängig

* setzen sich für Völkerverständigung, Frieden und Abrüstung ein

* setzen sich für Natur und Umweltschutz sowie den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlage ein

* betreiben kulturelle, sportliche und touristische Fachgruppen

* unterhalten ein umfangreiches Häuserwerk

Wer sind wir? - Was wollen wir?

Die NaturFreunde sind eine internationale Umwelt-, Kultur-, Freizeit- und Touristikorganisation mit etwa 700.000 Mitgliedern in über 20 Ländern der Erde.

Die NaturFreunde wurden 1895 in Wien von österreichischen Sozialisten gegründet und blicken somit auf eine schon mehr als 100-jährige Geschichte zurück.

Die NaturFreunde fördern wirksamen Natur- und Umweltschutz, der die natürlichen Lebensgrundlagen sichert. Wir treten ein für einen nachhaltigen Umgang mit Energien und Rohstoffen, der allein die Erde auch für künftige Generationen lebenswert machen kann.

Die NaturFreunde bekennen sich als Bestandteil der Arbeiterbewegung zu einer demokratischen und sozialistischen Gesellschaftsordnung. Im Gegensatz zu vielen anderen Umweltorganisationen sind wir der Ansicht, dass kapitalistisches Gewinnstreben eine der Hauptursachen für die fortschreitende Umweltzerstörung ist.

Die NaturFreunde treten für Völkerverständigung, Frieden und Abrüstung ein. Bei internationalen Begegnungen knüpfen NaturFreunde grenzüberschreitende Kontakte, lernen andere Kulturen kennen und verstehen und leisten so einen wichtigen Beitrag zum Frieden.

Die NaturFreunde organisieren sich neben den Ortsgruppen in verschiedenen Fachgruppen, um gemeinsam ihren kulturellen, sportlichen oder touristischen Interessen nachzugehen. Bei der Sportausübung in der Natur stehen gemeinschaftliches Erleben und ein schonender Umgang mit der Natur im Vordergrund.

Die NaturFreunde haben ein einmaliges Häuserwerk geschaffen, das für alle Menschen offen steht - fast 500 Häuser in Deutschland und über 1.000 in Europa.

Die NaturFreunde bieten jung und alt vielfältige Möglichkeiten, sich zu engagieren - vor Ort oder in überregionalen Zusammenschlüssen, bei Diskussionen und Planungen oder in ganz praktischer Arbeit: für eine lebenswertere Gesellschaft, für eine naturfreundliche Welt.

Ein paar Daten zu unserer Geschichte

1895 werden die Naturfreunde in Wien von dem Volksschullehrer Georg Schmiedel, dem Sensenschmied Alois Rohrauer sowie dem damaligen Studenten und späteren österreichischen Kanzler Karl Renner gegründet. Ziel des Vereins war es, die Arbeiter aus dem Elend der Städte heraus in die Natur zu führen, um sie dort zu gebildeten und klassenbewussten Menschen werden zu lassen. Ihr Gruß "Berg Frei" stand für die Forderung, allen Menschen - und nicht nur den reichen Grundbesitzern - den Zugang zur Natur zu ermöglichen.

Die Idee der Naturfreunde wurde vor allem von wandernden Arbeitern verbreitet, in vielen Orten entstanden neue Gruppen und 1905 wurde in München die erste Ortsgruppe in Deutschland gegründet.

1907 entstand das erste Naturfreundehaus auf dem Padasterjoch in den Stubaier Alpen. Da den Naturfreunden bei ihren Wanderungen die teuren bürgerlichen Unterkunftsmöglichkeiten ohnehin nicht zur Verfügung standen, errichteten sie in mühevoller Handarbeit in ihrer knappen Freizeit immer mehr Naturfreundehäuser.

1911 gründeten 32 Personen die erste NaturFreundegruppe, die Ortsgruppe Köln im Rheinland. Bald gründeten sich in weiteren Städten im Rheinland und Westfalen weitere Gruppen.

1919 Einweihung des ersten Kölner Naturfreundehauses in Weyerhof bei Honrath

1925 wurden die Naturfreunde-Ortsgruppen in Deutschland zu einer Reichsgruppe zusammengefasst, eine Geschäftsstelle in Nürnberg wurde eingerichtet. Ein Jahr später wurde die Naturfreundejugend Deutschlands als eigenständige Jugendorganisation im Gesamtverband gegründet.

1933 gelangt der Nationalsozialismus in Deutschland an die Macht, als eine der ersten Organisationen werden die Naturfreunde verboten, ihr Vermögen wird beschlagnahmt und viele ihrer Mitglieder verhaftet und verfolgt.

Nach dem Ende des Nationalsozialismus und des zweiten Weltkriegs begannen
1945 die ersten Ortsgruppen, sich wieder zu gründen und ihre Aktivitäten aufzunehmen.

1948 wird die wieder gegründete Bundesgruppe der Naturfreunde Deutschlands wieder in die Naturfreunde-Internationale aufgenommen.

In den 50er und 60er Jahren beteiligten sich die Naturfreunde an den Kämpfen gegen Remilitarisierung, Atombewaffnung sowie an der Ostermarschbewegung. In vielen Regionen treten die Naturfreunde offensiv für den Erhalt von Naturdenkmälern und wertvollen Lebensräumen ein.

1989 begann die Naturfreunde-Internationale mit ihrer Kampagne "Landschaft des Jahres", die grenzüberschreitende und besonders erhaltenswerte Landschaften in den Mittelpunkt stellt. Gemeinsam mit Initiativen vor Ort werden Forderungen für eine nachhaltige Entwicklung der Region erarbeitet, vielfältige Veranstaltungen bringen (nicht nur) Naturfreunden diese Landschaft näher. Bisherige Landschaften des Jahres waren:

1989

Bodensee (A, CH, D)

...

1999/2000

Böhmerwald / Sumava (CZ, D)

1990

Neusiedlersee (A, H)

 

2001/02

Das Alte Flandern (B, F)

1991/92

Eifel / Ardennen (B, D)

 

2003/04

Lebuser Land (D, PL)

1993/94

Odermündung (D, PL)

 

2005/06

Jura (CH, F)

1995/96

Alpen (A, CH, D, F, I)

 

2007-09

Donaudelta (ROM, UKR)

1997/98

Maas (B, D, NL)

 

 

 

Das Buch "Die Düssel"1995 begingen die Naturfreunde mit einer Vielzahl von Veranstaltungen ihr hundertstes Jubiläum. Die Ortsgruppe Düsseldorf veröffentlichte aus diesem Anlass das Buch "Die Düssel - Naturfreunde erkunden eine Landschaft" mit naturkundlichen und historischen Beschreibungen dieses Flusses und seiner Umgebung.

2001 schlossen sich die bisher selbständigen Landesverbände Rheinland und Westfalen zum Landesverband Nordrhein-Westfalen der NaturFreunde zusammen


2010 Allein 82.000 NaturFreundinnen und NaturFreunde gibt es in Deutschland.
Sie koordinieren Arbeit und Projekte auf regionaler bzw. örtlicher Ebene. An der Basis arbeiten allein in Deutschland 680 Ortsgruppen, die auch die rund 450 Naturfreundehäuser bewirtschaften.

Von Anfang an haben haben die NaturFreunde es als ihre Aufgabe angesehen, die natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten - nicht in spektakulären Aktionen, sondern durch engagierte Arbeit vor Ort.

Traditionell orientieren sich die NaturFreunde am Leitbild der Nachhaltigkeit und setzen dies in ihrer Projektarbeit, in Kultur, Sport, Reisen und Erholung und Bildung in den Naturfreundehäusern um. Dazu kooperieren sie mit Partnerorganisationen und beteiligen sich durch Mitgliedschaften, beispielsweise im Deutschen Naturschutzring, dem Dachverband der Umweltverbände.

  • Natur- und Umweltschutz fördern und selbst praktizieren
    Aktiver Einsatz für die Erhaltung und Verbesserung der natürlichen Lebensgrundlagen; z.B. Naturfreundehäuser nach ökologischen Gesichtspunkten umgestalten

Emscher - Flusslandschaft des Jahres 2011=      Flusslandschaft des Jahres 2010/2011

Die NaturFreunde Deutschlands haben die „Emscher“ zur Flusslandschaft des Jahres ausgerufen und unterstützen hiermit die Emscher Genossenschaft bei ihren Bemühungen die Emscher zu renaturieren. 

  • Sport
    vielseitig, gemeinschaftlich und umweltverträglich: sportliche Betätigung, z.B. Wandern, Reisen, Camping, Bergsteigen, Wintersport, Wassersport und Rad fahren

  • Kultur
    erleben - erkennen - handeln: Förderung der musischen, kulturellen und heimatkundlichen Betätigung auf den Gebieten bildender Kunst, Literatur, Theater, Film, Foto, Musik, Sprachen und Tanz

  • unterwegs auf die sanfte Tour
    Veranstaltung von umwelt- und sozialverträglichen Reisen in Form von Freizeiten, Bildungs- und Studienaufenthalten, internationalen Begegnungen und Sozialtourismus; Aktivitäten zur Kinder- und Jugenderholung

  • naturkundliches und ökologisches Wissen vermitteln
    Anlage und Unterhaltung von Sammlungen und Büchereien, Herausgabe von Zeitschriften und Druckwerken, Veranstaltung von Vorträgen, Seminaren, Ausstellungen oder ähnlichem;

  • Naturfreundehäuser für alle offen
    Erwerb, Bau, Verwaltung und Betreuung von Naturfreundehäusern als Wanderheime, Ferienheime, Familienferienstätten, Bildungsstätten, Jugendherbergen, Zeltplätze, Kultur- und Jugendheime
  • Demokratisches Miteinander über Grenzen hinweg
    in Begegnung und Gespräch mit anderen das Gemeinsame suchen und finden; für das friedliche Miteinander in der Einen Welt eintreten.

 

NaturFreunde Deutschlands - Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V.

Verband für Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport und Kultur

Ebberg 1, 58239 Schwerte

Telefon:                02304-63364            Fax: 02304-996835

Email:                    info@naturfreunde-nrw.de     Homepage: www.naturfreunde-nrw.de

v.i.S.d.P. : Wulf Homann, Menglinghauser Str. 96, 44227 Dortmund; Tel.: 0231-751709

100 Jahre
NaturFreunde in Deutschland

Im Juli wird es 100 Jahre her sein, dass die zehn Jahre zuvor in Wien entstandene Naturfreunde-Idee in München Fuß faßte. Von dort aus breitete sich der Naturfreundegeist schnell im Reich aus und kam 1911 ins Rheinland, nach Cöln. Was hat der Verein, was haben seine Mitglieder in diesem Jahrhundert alles erleben und auch erdulden müssen! Das Kaiserreich, in dem alle argwöhnisch beobachtet und drangsaliert wurden, die sich für die Besserstellung der Arbeiterfamilien einsetzten; den von einem dumm-protzigen Kaiser aller Deutschen willkürlich begonnenen Krieg, den die Bürger führen mußten und an dem sie nichts verdient haben, aber alles verlieren konnten; die harten Nachkriegsjahre mit Inflation und Wirtschaftskrise; den Terror der faschistischen Verbrecherclique, die den Verein verbot und enteignete und viele seiner führenden Mitglieder verfolgte; der wahnsinnige Krieg – länger, grausamer und entbehrungsreicher als der vorhergehende.

Dann kam der Wiederaufbau nach 1945 – nicht nur der Städte, der Fabriken, Schulen, Universitäten – auch des gesellschaftlichen Lebens und damit der Naturfreunde. Als jedermann / jede Frau genug damit zu tun hatte, für sich und die Familie Trinken, Essen, Kleidung und Wohnraum zu beschaffen, blieb die Zeit, einen so komplexen Verein samt seiner vielen Häuser – an die 500! – aufzubauen.

In der Rückschau erscheint mir das wie ein Wunder. Ich knüpfe daran eine Hoffnung: Wenn es gelungen ist, in wirtschaftlich viel schwierigeren Zeiten als heute diesen Verein mehrmals neu zu organisieren – ab 1905 bei ungleich längerer wöchentlicher Arbeitszeit und ohne gesetzlich geregelten Urlaub, in den 20er Jahren mit den wirtschaftlichen Schwierigkeiten, nach 1945 aus einem totalen Nichts heraus – dann werden wie es schaffen, den Verein in seinem zweiten Jahrhundert zu stärken.

Eine Vereinigung wie die unsrige ist notwendig in der Gesellschaft. Viele Zustände, die zu bessern unsere Gründer angetreten sind, haben sich tatsächlich geändert. Abgesehen, dass noch genug zu tun ist und dass immer neue Abhängigkeiten und Einschränkungen gefunden werden, um dem „kleinen Mann“ und die Natur auszunutzen – abgesehen davon haben diejenigen, die über das Wohl und Wehe des Volkes bestimmen (trotz Demokratie!), damit begonnen, das Rad der gesellschaftlichen Entwicklung zurück zu drehen. Im Jahrhundert unseres Bestehens ging es – abgesehen von Krieg und Gewaltherrschaft – eigentlich immer aufwärts; nun geht es mit Wohlstand und Bürgerrechten erstmals bergab. Die Naturfreunde gehören zu denen, die sich wehren.

Hans Peter Schmitz

aus 1/2005

Dieses Foto trägt auf der Rückseite den Namen „Warnecke“. Peter Warnecke
war von 1949 bis 1960 Vorsitzender der Bezirksgruppe Köln-Mülheim, ab 1955
wegen der Errichtung des Hauses an der Honschaftsstrasse in Köln-Höhenhaus
umbenannt. – Das Foto entstand wahrscheinlich bei einer Tagung im Bergischen
Land, denn an der Tagungs(gast)stätte wird für Bier aus Barmen geworben. Das
Datum ist nicht bekannt, wird aber bald nach Wiedergründung des Vereins nach
Kriegsende gewesen sein, denn die Gaststätte macht werbend darauf
aufmerksam, dass sie über einen Telefonanschluß verfügt, was damals selten
war.

Mir sind folgende Personen bekannt: ganz links Peter Warnecke; daneben hinten
Ludwig Keil (Dellbrück), Leiter der Kölner NF-Fotogruppe; mit Hut links Philipp
Kohl (Mülheim); rechts dahinter wahrsch. Willi Langen (Dellbrück), Schwager
von Keil; am Wort „Telefon“ Hans Kierdorf, Vorsitzender der Bezirksgruppe Ost
von 1949 bis 1959; davor Karl Stienhöfer (Gruppe Ost), Fotogruppe.

Möglicherweise handelte es sich um eine Tagung der Fotografen, denn Philipp
und Hans sind mir auch als solche in Erinnerung, was Kurt Kierdorf für seinen
Vater bestätigte.

Unsere NF-Häuser in Höhenhaus und Kalk sind während des Vorsitzes von Peter und Hans in Eigenarbeit errichtet worden.

Übrigens, die Fotogruppe war während des Verbotes der Naturfreunde unter der
Herrschaft der braunen Verbrecherclique quasi eine „Tarnorganistion“ der Naturfreunde.                                                                                                           HPS


aus 2/2004

Aus unserem Archiv

Unter dem Briefkopf „Sauerländischer Gebirgsverein – Führer: Regierungspräsident des Oberpräsidiums der Rheinprovinz Dollenbusch, Koblenz“ schrieb der Leiter des „Heimat- und Naturschutz-Ausschusses“ Wilhelm Münker am 1. September 1945 folgendes Memorandum: 

Zum Wiederaufbau des deutschen
Gebirgsvereins- und Wanderwesens

Müssen die Gebirgs- und Wandervereine und die „Naturfreunde“
unbedingt auf getrennten Wegen der Natur zustreben?

 In den 80er und 90er Jahren (des 19. Jhdts., d. R.) entstanden die deutschen Gebirgs- und Wandervereine. Sie waren anfänglich im „Verband deutscher Touristen- und Gebirgsvereine“, später im „Reichsverband der deutschen Gebirgs- und Wandervereine“ umgetauft, zusammengefaßt. Diese Vereine haben durch Wegebezeichnung, Wegebau, Bänke, Aussichtstürme, Volkstumsarbeit, Geschichtsforschung, teilweise auch auf dem Gebiet von Natur- und Heimatschutz, viel Segen gestiftet. Vor allem waren sie durch ihre Wanderungen Bahnbrecher auf dem Wege zur Natur.  

Aber wirklich volkstümlich sind sie nicht geworden. Sie haben sich nicht in befriedigender Weise durchgesetzt. Bei einem 70 Millionen-Volk sind sie über rund eine Viertel Million nicht hinausgekommen. Eine dürftige Zahl. Nach anfänglichem starken Aufschwung blieben sie vielmehr seit rund 40 Jahren auf der gleichen Stufe stehen. Namentlich in den breiten Schichten der Arbeiterschaft konnten sie nur wenig Fuß fassen. Eine unbestrittene Tatsache ist das bedenkliche Fehlen des Nachwuchses, und die Überalterung bei weitaus den meisten Vereinen in der Führung und im Mitgliederstande sowohl bei den örtlichen Vereinen wie bei den Hauptvorständen. 

So war es möglich, daß nach dem ersten Weltkrieg immer mehr der Touristenverein „Die Naturfreunde“ hochkam. Seine Wiege und sein Sitz war in Wien; später wurde ein Reichsleiter für das Altreich bestimmt.  Der Verein war linkspolitisch (SPD) ausgerichtet, aber unbestreitbar in recht gemäßigter Weise. 

Bis zum zweiten Weltkrieg waren die „Naturfreunde“ stark an die Mitgliedszahlen der Gebirgs- und Wandervereine herangekommen. Sie entwarfen ein Netz von durchgehenden Reichswanderstrecken, zunächst von Nord nach Süd und von West zu Ost. Das weiße „N“ zeigte sich an vielen Stellen und wurde meist als störend im sonst einheitlich geregelten Netz der Wegebezeichnung empfunden. 

Beide Verbände haben ihre Licht- und Schattenseiten. Die Gebirgs- und Wandervereine hatten die Überlieferung, die größeren Leistungen, einstweilen auch den größeren Einfluß auf ihrer Seite, die Naturfreunde die größere Opferwilligkeit, die jüngere Kraft sowie die großen Massen der linksgerichteten Arbeiter als Zustrom für ihre Mitgliederreihen. Die NF zahlen 10 – 12 M Beitrag, während man in den Gebirgsvereinen bei 3 – 4 M blieb  und oft über 50 Pfg. – 1 M feilschte. Die NF haben im Schweiße ihres Angesichtes manches treffliche Wanderheim selbst errichtet. Mit umfassender Werbung und mit steigender Zahl der Wanderführer wäre ihnen ziemlich sicher ein weiterer starker Aufstieg beschieden gewesen. 1933 aber machte die NSDAP ihrem Wirken ein Ende. Ihre Schattenseite war ihre politische Bindung. 

Jetzt stehen wir nach dem zweiten verlorenen Krieg auf allen Gebieten vor der schwierigen Aufgabe des Wiederaufbaues. Da hat die erste Frage zu lauten: War der frühere Zustand wünschenswert? Müssen wir unbedingt wieder an das Frühere anknüpfen? Oder wollen wir nicht lieber aus den Fehlern der damaligen Zeit lernen  und jetzt

ganze und zwar gemeinsame Sache machen?

Beide Verbände müssen sich einen Ruck geben. Die GuWV müssen den Willen zur Volksgemeinschaft mit Nachdruck zur Geltung bringen, also überzeugt und freudig noch mehr als bisher bei der Arbeiterschaft Boden gewinnen. Die NF müssen sich die Frage vorlegen, ob der Weg ins Grüne unbedingt – bildlich gesprochen – politisch gezeichnet werden muß. 

Wenn die NF sich stark genug fühlen, werden sie früher oder später das Recht der Wegebezeichnung in Anspruch nehmen. Könnte das ohne Wirrwarr draußen abgehen? Läge nicht die Gefahr nahe, daß man sich hie und da mit Pinsel, Farbtopf und Haumesser in die Haare geriete? Wir haben keine katholischen  und evangelischen  Wanderwege. Brauchen wir da unbedingt sozialistische oder gar kommunistische? 

Macht Einigkeit  nicht stark? Würde gerade in diesem Falle eine geschlossene Front nicht viel stärker machen und das deutsche Wanderwesen aus seiner Aschenbrödelrolle  herausbringen können? 

Schafft nicht Spaltung dagegen Leerlaufarbeit, Reibung, Verdruß und Lähmung? 

Um die Schiefheit der Lage möglichst deutlich erkennen zu lassen, noch ein paar Beispiele:

a) Die 3 skandinavischen Länder Dänemark, Norwegen und Schweden       haben starke Wanderverbände. Zugleich sind sie meist zufolge ihrer Links-Mehrheiten sozialistisch regiert. Wer aber hat etwas davon gehört, daß es dort auch besondere linke Wanderverbände gibt? 

b) Hat irgend jemand etwas davon vernommen, daß es neben dem   französischen Vogesenclub oder dem tschechischen Böhmerwaldverein noch einen politisch ausgerichteten Verein gäbe? 

c) Was würde man sagen, wenn sich jetzt auftäten

ein katholischer Alpenverein,
ein kommunistischer Gebirgs- und Wanderverein in der russ. Zone,
ein evangelischer Jugendherbergsverband in der amerikanischen Zone? 

Ich hoffe zuversichtlich, daß auch die Zentralleitung der Naturfreunde in Wien diese Dinge ohne Voreingenommenheit einer gründlichen Prüfung unterzieht. Sollten sie sich wegen (muß das nicht heißen: gegen?, d. R.) eine freundschaftliche Verschmelzung der beiden Verbände aussprechen, so würden die maßgebenden Männer der Naturfreunde im Reich sich nicht der Pflicht entziehen wollen, auch ihrerseits alle Gründe und Gegengründe gewissenhaft und verantwortungsbewußt auf die Waagschale zu legen. Die Gelegenheit kommt nie wieder.  

Mutter Natur ist doch noch der einzige Boden des Friedens. Haben wir nicht Unfrieden genug nach außen? Wollen wir uns selbst auch diesen Quell der Kraft und Erholung noch vergällen und vergiften? 

Die Stunde der ernsten Prüfung für beide Seiten ist da. Hand aufs Herz – ist die Spaltung wirklich naturgegeben? Oder ist sie künstlich? Wer kann letzteres bestreiten? Also laßt die Schranken fallen! Bei gutem Willen würden wir uns nötigenfalls unschwer auch über einen neuen Namen verständigen.

Deutschland ist das Ursprungsland des Wanderns. Manche Länder sind uns gefolgt. Keiner aber hat politisch getrennte Wanderverbände. Wollen wir – (unleserlicher Einschubsatz) – ein so wenig rühmliches Beispiel der Welt geben? Wollen wir nicht vielmehr unsere Losung sein lassen „Auf dem Wege zur Natur gibt es kein Rechts und kein Links“, die einst ein Führer der Linken aussprach? 

Hilchenbach, Kr. Siegen                (Unterschrift von Wilhelm Münker)
Den 1. September 1945         
                                    Mitglied des engeren Hauptvorstandes
                           Des Sauerländischen Gebirgsvereins
                           Geschäftsführer des Hauptverbandes für
                           Jugendherbergen und Jugendwandern

Kommentar:

Ob dieser Brief der damaligen NF-Leitung (eine Reichsleitung gab es nicht mehr, eine Bundesleitung noch nicht, die NF waren überhaupt noch nicht wieder zugelassen, im Gegensatz zu den GuWV, die sich im Nazistaat hatten „gleichschalten“ lassen) zugegangen war und dort bearbeitet wurde, ist mir nicht bekannt. Jedenfalls ist der Kelch eines Zusammenschlusses mit einem von Menschen wie Wilhelm Münker geleiteten Verband erspart geblieben.

Das Schreiben in allen Einzelheiten zu analysieren, dazu fehlt hier der Platz; es wäre auch müßig, denn die Zeit ist darüber hinweggegangen. Aber einige Aspekte möchte ich doch beleuchten, um klarzustellen, wes (Un)Geistes Kind Münker war.

Zunächst reduzierte er eventuelle Probleme zwischen seinem Verband und den Naturfreunden auf die Problematik des Wegezeichnens. Die in der Tat vorhanden gewesenen Probleme sind seit Jahrzehnten zu beiderseitiger Zufriedenheit gelöst: Wir zeichnen nur Verbindungswege zu unseren Häusern sowie solche von dort zu den Hauptwanderwegen der GuWV; eine Absprache ist nötig und macht keine Probleme. – Aber so einfältig kann Münker ja nicht gewesen sein! Unsere politische Arbeit schien ihm eine gefährliche Konkurrenz zu sein, sie wollte er auf jeden Fall ausschalten. Dafür war er sogar bereit, einen neuen – wohl „neutralen“ – Namen zu suchen. 

Natürlich war er auch an dem interessiert, was ihn in den 20er Jahren wohl sehr beeindruckt hat: die „Opferwilligkeit“ der Naturfreunde-Mitglieder. 

Seine geistige Haltung lässt sich neben dem aus dem Nazireich stammenden Wortschatz an einem einzigen Satz erkennen: „Ihre Schattenseite war ihre politische Bindung“. Unsere, die politische Ausrichtung und die politischen Aktivitäten der Naturfreunde war unser Makel. Kein Wort von der nur nach außen unpolitischen Arbeit seines Verbandes, der im Gleichklang mit dem Faschismus diesem die Menschen zutrieb. Wer von denen war im KZ, wer wohl wurde gefoltert? Welcher Gebirgs- und Wanderverein wurde enteignet? Der Mitglieder jüdischer Abstammung hatte man sich wohlweislich entledigt. 

Natürlich, die Situation im Verband der Gebirgs- und Wandervereine ist heute eine ganz andere, ebenso wie bei den Naturfreunden. Aber Unterschiede gibt es nach wie vor. Diese müssen wir schärfer herausstellen und kenntlich machen. Nur so können wir „unsere Nische“ im Angebot erhalten und nutzen.

Hans Peter Schmitz   (Nf-Vorsitzender Köln 2002)